Die Herausforderung des mir auferlegten Erhalts:
Die Trotte wurde Ende 2000 in die Bau-und Nutzungsordnung (BNO) als Substanzgeschütztes Gebäude aufgenommen, die Öffentliche Auflage war Ende 2000 und nochmals Ende 2001. An der Gemeindeversammlung vom 3.Juni 2002 wurde die BNO angenommen. Als mein damaliger Mann und ich im Januar 2002 die Liegenschaft erworben haben, war also noch die alte Bau-und Nutzungsordnung rechtskräftig, auf welche wir uns gestützt haben. Uns war nicht bewusst, dass dies beim Hauskauf hätte beachtet werden müssen. Seit 2007 bin ich die alleinige Besitzerin der Löwen Liegenschaft. Bis etwa 2008 wusste ich nicht, dass die Trotte unter Schutz steht. Erst als ich mich bei der Gemeinde erkundigte, welche Schritte für eine Abbruchbewilligung nötig wären, wurde ich informiert. Manchmal geht man naiv durchs Leben, wer würde schon denken, dass eine einfache Trotte unter Schutz gestellt werden könnte?
Als dann im Jahr 2022 auch mein Wohnhaus plötzlich in der neuen Revisionsplanung auftauchte, wurde der Druck fast unerträglich. Ich erhob Einsprache und bat darum, die Trotte und den Spycher wenigstens aus dem Schutz zu entlassen, stieß jedoch auf Widerstand und gab schließlich dem Druck nach.
Da ich also die Trotte erhalten muss, bin ich gezwungen, etwas zu unternehmen. So habe ich verschiedene Varianten mit meinem Zimmermann erarbeitet:
1. Haus-im-Haus-Konzept:
• Schaffung einer Wohnung durch ein „Haus im Haus“.
• Geschätzte Kosten: ca. 1,8 Millionen Franken.
• Nachteile: Eingeschränkte Lichtverhältnisse und enge Raumverhältnisse, vor allem unter dem Dach.
• Beurteilung: Sehr teuer, mit geringer Rendite und nicht ausreichender Vermietungseinnahme, um den Hypothekarzins zu decken. Eigenkapitalbedarf von 400'000 Franken.
2. Nutzung für Kurse und Events im Erdgeschoss, Atelier/Büros im Dachgeschoss:
• Umgestaltung des Erdgeschosses für Kurse und Events, sowie Schaffung eines Ateliers oder Büroräumen unter dem Dach.
• Geschätzte Kosten: ca. 1,2 Millionen Franken.
• Nachteile: Wie bei Variante 1 eingeschränkte Lichtverhältnisse und Raumgrößen. Besonders unter dem Dach wäre der Platz sehr knapp.
• Beurteilung: Ebenfalls zu teuer, mit geringer Rendite und denselben finanziellen Nachteilen wie Variante 1.
3. Vollständige Restaurierung der Trotte ohne Innenausbau:
• Komplette Restaurierung der Trotte, jedoch ohne Innenausbau.
• Geschätzte Kosten: 632'123,00 Franken.
• Beurteilung: Kosteneffizienter, allerdings kein Ausbau für spezifische Nutzungen vorgesehen. Keine Rendite um den Hypothekarzins zu decken.
Auch wenn inzwischen (Stand Dezember 2025) Subventionen zugesichert wurden, ist die Finanzierung der Erhaltungsarbeiten nicht gedeckt. Die Beiträge von Gemeinde und Kanton leisten einen wichtigen, aber begrenzten Anteil.
Ich bin der Ansicht, dass Gebäude, die keine Wohnhäuser sind und nur mit sehr hohen Kosten, umfangreichen baulichen Massnahmen und zahlreichen Kompromissen einer Nutzung zugeführt werden könnten, entweder nicht unter Schutz gestellt werden sollten oder aber deutlich höhere Subventionen erhalten müssten. Der Kosten-Nutzen-Ausgleich ist bei solchen Bauten kaum möglich.
So liegt trotz zugesicherter Unterstützung die Hauptlast der Kosten sowie das volle Renovations- und Folgerisiko weiterhin bei mir als privater Eigentümerin eines denkmalgeschützten Gebäudes.
Ich akzeptiere die getroffenen Entscheidungen und die bestehenden Rahmenbedingungen, auch wenn sie für mich mit grossen Herausforderungen verbunden sind. Im Verlauf dieses Prozesses gab es Vorschläge, die Trotte im Baurecht abzutreten oder zu verkaufen. Diese Optionen kamen für mich jedoch nicht infrage. Die angebotenen Lösungen waren für mich nicht tragbar, und ein Verkauf der Trotte ist für mich grundsätzlich ausgeschlossen, da ich Wohnhaus, Trotte und Speicher als zusammengehöriges Ensemble verstehe, das nicht voneinander getrennt werden sollte.
Daher bleibt mir nur eine Möglichkeit, dem öffentlichen Interesse am Erhalt solcher Gebäude gerecht zu werden: das Dach der Trotte zu erneuern und einzelne tragende Elemente zu ersetzen. Ich verstehe den Wunsch, historische Bauten für kommende Generationen zu bewahren. Solange es sich um Wohnhäuser handelt, ist eine sinnvolle Nutzung möglich. Gebäude wie meine Trotte oder der Spycher sind jedoch nur schwer umnutzbar. Die Kosten sind sehr hoch, und eine wirtschaftliche Rentabilität ist kaum erreichbar.
Warum mache ich diese Website:
Ich möchte darauf aufmerksam machen dass der Erwartungsdruck an private Eigentümer solcher geschützten Gebäude enorm ist.
Es ist aus der Perspektive eines Eigentümers nicht in Ordnung, wenn Gebäude von Gemeinden und Kantonen unter Schutz gestellt werden, ohne die Besitzer vorher zu informieren oder einzubeziehen. Wenn private Gebäude unter Denkmalschutz gestellt werden, sollten die Eigentümer ausreichend durch Subventionen unterstützt werden. Dies gilt besonders dann, wenn es sich um Liegenschaften handelt, die keine ausreichende Rendite durch Vermietung erwirtschaften können, um die Hypothek zu decken.
In den letzten Jahren hätte ich mir gewünscht, dass man mir bei der Erhaltung der Trotte stärker zur Seite gestanden hätte. Ich restauriere dieses Gebäude nicht für mich selbst, sondern weil ich durch die gesetzlichen Auflagen dazu verpflichtet bin, die Trotte zu bewahren. Ohne ausreichende finanzielle Unterstützung wird eine solche Aufgabe jedoch zu einer enormen Belastung, die über das hinausgeht, was eine private Person allein leisten kann.
Natürlich finde ich die Trotte selbst auch ein schönes Gebäude. Aus meiner Sicht wäre jedoch ein Abriss und ein Neubau, der dem Charakter der Trotte gerecht geworden wäre, eine reizvolle Alternative gewesen. So hätte man daraus ansprechende Wohnungen schaffen können, was auch für das Dorf eine Bereicherung gewesen wäre.
Ich finde, man sollte zukünftig darüber diskutieren, wie man mit Menschen umgeht, die solche Gebäude erhalten müssen. Denn hinter dem Gebäude steht immer auch ein Mensch, der die Last trägt, damit die Öffentlichkeit von diesen historischen Bauwerken profitieren kann. Die letzten Jahre waren für mich sehr belastend, da der Druck von aussen spürbar war und ich mir selbst zusätzlich den Anspruch auferlegt habe, allem gerecht zu werden.
Meine Liegenschaft besteht aus drei Gebäuden und alle sind unter Schützenswerte Objekte eingestuft.
Wohnhaus und Trotte
Wohnhaus um 1750 erbaut
seit 2023 geschützt
Trotte
Trotte um 1790 erbaut
seit 2002 geschützt
Speicher um 1700 erbaut
Bekannt im Dorf auch als Notschlachthaus
seit 2002 geschützt